Tonic Water

Tonic Water

Über das Fremdschämen, kleine Sünden und die bessere Hälfte des Gin Tonic.

Die Veranstaltung beginnt sich langsam aufzulösen. Kaum ist die große Tafel auf der anderen Seite leer, springt der ältere Herr vom Nachbartisch auf und beginnt, die achtlos liegengelassenen Menükarten zusammenzuraffen. Stolz nimmt er seine sperrige Beute und drängt seine peinlich berührte Ehefrau, diese in ihre Handtasche zu stecken, als die Servicemitarbeiter den Tisch abräumen kommen. Suchend bleibt er mitten im Raum stehen, prüft den fremden Tisch anschließend auf verwertbare Gegenstände, hebt die benutzen Servietten. Zu spät. Mit einem verärgerten Achselzucken kehrt er an den eigenen Platz zurück, greift sich die halbleere Mineralwasserflasche, legt sein Sakko sorgfältig über den Arm samt Flasche und geht Richtung Ausgang. Beim letzten Tisch stockt er kurz, setzt sich. Scheinbar Begeisterung für die Musik zeigend, greift er nach der vollen Flasche Mineralwasser auf dem fremden Tisch und versteckt auch sie unter seiner Jacke.
Wir haben gerade vier Stunden Essen und Trinken auf hohem Niveau genossen, in Wien in dieser Form nicht realisier-, geschweige denn bezahlbar. Die Weinbegleitung ohne Limit, all you can drink, keiner der gereichten Collavini Weine ist ab Hof unter € 25 erhältlich. Das Preis-Leistung-Verhältnis sucht seinesgleichen. Dem Mann vom Nachbartisch war das sichtlich nicht genug.
Woher kommt diese Einstellung? Diese Meins-Meins-Meins-Haltung? Dieses Einfach nicht den Hals vollbekommen. Nicht wissen, wann genug ist. Keine Grenzen kennen. Geiz ist geil und Anstand ist ein Fremdwort. Wir sind peinlich berührt. Aber die kleinen Sünden straft der liebe Gott bekanntlich sofort. Eine falsche Bewegung, ein kurzer Stoß beim Aufstehen und die volle Flasche gleitet aus seiner Hand. Zerschellt unter Getöse. Und alle haben es gesehen! Mit einem Schmunzeln gehen wir an die Bar. Un´aqua brillante, per favore.

Was ist Tonic?

Tonic Water [ˈtɑːnɪk.ˈwɑːtər] ist ein chininhaltiges, grundsätzlich farbloses, mit Kohlensäure versetztes Erfrischungsgetränk und zählt zu den Bitterlimonaden. (Wikipedia)
Das bittere Chinin, vorerst von den Offizieren der europäischen Kolonialarmeen nur zur Malariaprophylaxe getrunken, wurde mit der Beigabe von Zitrusaromen, Zucker und Sodawasser zu einem erfrischenden Getränk gemacht.
Auch bei Tonic gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen, in der industriellen Massenproduktion werden oft künstliche Aromastoffe statt echtem Chinin verwendet. Billigware ist geschmacklich oft wenig ausbalanciert, die bitteren Noten von Chinin werden von Zucker überlagert. In den letzten Jahren haben sich verschiedene neue Geschmacksrichtungen entwickelt und kleine, lokale Manufakturen sind entstanden.

Seit wann gibt es Tonic?

Das erste Patent auf Tonic Water stammt aus dem Jahr 1858 und wurde von Erasmus Bond in London angemeldet. Die Firma Schweppe, seit 1831 Hoflieferant des britischen Königshauses, brachte 1870 ein mit Chinin und Limette versetztes Mineralwasser auf den Londoner Markt. Noch heute ist Schweppes Marktführer im Bereich Tonic.

Welche Tonic Arten muss kann kennen?

www.ginspiration.de unterscheidet zwischen

klassisches Tonic Water: Bittere Noten treten deutlich in den Vordergrund und werden mit feinen Zitrusaromen ausbalanciert. Beispiele dafür sind Schweppes Indian Tonic, Fentiman´s Traditional Tonic Water, Fever Tree Indian Tonic Water, Thomas Henry Tonic Water

florale oder fruchtige Tonic Water: die Bitternoten spielen nur eine Nebenrolle, an erster Stelle stehen die geschmacksgebenden Noten der enthaltenen Botanicals. Besonders typisch sind Fever Tree Elderflower Tonic Water oder Fentimans Pink Grapefruit Tonic.

herbe Tonic Water: die würzigen Botanicals geben den Ton an, Bitternoten und Zitrusaromen bleiben im Hintergrund aber dennoch spürbar wie in Fever Tree Mediterranean Tonic Water und Fentimans Herbal Tonic Water.

Dry Tonic Water: die klassischen Komponenten sind vorhanden aber reduziert, Kohlensäure sorgt für ausreichend Frische, etwa im Schweppes Dry Tonic-

Was ist so besonders an Tonic?

Tonic ist das Chamäleon unter den Getränken. Für die einen ist es ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, für die anderen der perfekte Filler zum Mixen von Cocktails und Longdrinks.
Chinin ist unter 25 anderen Alkaloiden das wichtigste der Cinquonarinde. Es fluoresziert noch bei Mengen im Verhältnis von 1:100.000 – fällt ultraviolettes Licht auf das Tonic, so leuchtet es in einem hellen, fluoreszierenden Blauton.

Wie trinkt man Tonic am Besten?

  • einfach mit Eis, garniert mit Zitronenscheiben, Rosmarinzweigen oder Basilikumblätter
  • gemischt mit Frucht- oder Kräutersirupen, Shrubs oder Fruchtpürees
  • als Basis eines Floats
  • an Stelle von Mineralwasser in Fruchtmolkegetränken
  • mit Gin im Verhältnis 1:1 bis 1:4 als Gin Tonic – die Wahl des Tonic sollte den Geschmacksnoten des Gin angepasst werden. Den spannendsten Varianten werden wir uns demnächst am Blog widmen.
  • als Bestandteil von Caipirinha, Jack Cousteau, Campari Tonic, A 72, Manolo und vielen anderen mehr.

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Kann man Tonic selber herstellen?

Mit ein bisschen Zeit und Sorgfalt lässt sich köstlicher Tonic Sirup einfach herstellen. Durch die Wahl der Inhaltsstoffe und die entsprechende Dosierung ergeben sich unzählige Geschmackskombinationen. Im Kühlschrank in dunklen Flaschen aufbewahrt werden sie nicht schal.
Der Herstellung von Tonic Sirup nach unterschiedlichen Methoden ist der nächste Post gewidmet.

Gemischter Satz

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Der Umgang mit Botanicals

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