savoir vivre & vin maisons

savoir vivre & vin maisons

Das sprichwörtliche Leben wie Gott in Frankreich. Gemeinsam essen und trinken, das können sie, die Franzosen! Meinen Remy-Moment* hatte ich mit 16 Jahren in einem kleinen Dorf in der Bourgogne. Irgendwann kam dann der Apéritif. Nicht wie bei uns ein - damals als Inbegriff des Exotischen en vogue - Campari Orange oder ein kleines Bier vor dem Essen. Sondern ein Bestandteil des täglichen Lebens, zur Entspannung, ein Gläschen vor dem Essen mit ein paar Knabbereien, und ganz wichtig, immer in Gesellschaft.  Gereicht werden Köstlichkeiten wie Cougéres, junge Radieschen mit Butter, eingelegter Ziegenkäse oder Feigen in Speckmantel. In den Gläsern Limonade, Kir, Picon oder Suze.

Und vins maison, sorgfältig nach alten Familienrezepten hergestellt, die dürfen nicht fehlen. Vin d´orange, vin de peche oder Guignolet. Die Herstellung dieser Aperitifweine folgt ungeschriebenen Gesetzen, im Rhythmus des Jahres, jede Saison hat ihren vin maison, jede Familie ihr eigenes Rezept. Diese Weine sind eigentlich einfach herzustellen, geht es doch nur um das Abmessen und Vermischen der Zutaten.

Das Prinzip ist einfach: Man nehme einige Flaschen Rotwein und füge Früchte/Blätter/Kräuter/Gewürze für das Aroma, Zucker und hochprozentigen Alkohol dazu. Doch oft ist das Einfachste zugleich das schwierigste und so herrschen Glaubenskriege über die Anzahl der verwendeten Kirschblätter oder den Erntezeitpunkt der grünen Nüsse.

Wir halten uns an das Rezept von Martin Walker, Schöpfer von Bruno, Chef de Police.

Vin de Noix

  • 18 grüne Walnüsse (geerntet vor dem 21.6.)
  • 190 g Zucker
  • 3 L Rotwein
  • 375 ml Brandy

Die Nüsse in kleine Stücke hacken, mit den restlichen Zutaten mischen und für 42 Tage an einem dunklen Ort ruhen lassen. Abseihen und in sterilisierte Flaschen füllen.
 

Die Idee der l`heure de l´apéritif fasziniert mich, dieses zwanglose Beisammensein, ein paar Gläser, ein paar Happen, kein Aufwand. Warum nicht auch in Wien, mit unseren Freunden in lauen Sommerabenden, in unserem Garten? Alle vierzehn Tage sollte es sein, Anmeldung nicht nötig, wer kommt ist da, von 18:00 bis 20:00, ein gesellschaftlicher Fixpunkt in der sommerlichen Hitze, ein paar anregende Gespräche, loses Kontakthalten bis alle im Herbst wieder aus den Ferien zurück sind. So haben wir es zumindest kommuniziert.
Beim ersten Mal haben wir um 22:00 den Griller angeworfen und alles, was nur irgendwie grillbar war, gegrillt. Wird schon, haben wir uns gedacht, unsere Freunde müssen sich erst an das neue Format gewöhnen. Beim zweiten Mal wurden zu später Stunde für 30 Personen Spaghetti gekocht. Ab dem dritten Mal waren wir vorbereitet: es gab meinen Apéritif von 18:00 bis 20:00 mit traditionellen Happen - und um 20:00 hat der Göttergatte zum gesetzten Essen eingeladen! Ich habe kapituliert und mich der Mehrheit gebeugt, die sich hungrig in meiner Küche niedergelassen hatte und keine Anstalten zu gehen machte. Und so hatten wir den ganzen Sommer über im Zwei-Wochen-Rhythmus den ganzen Donnerstag Abend full-house. Wien ist eben nicht Paris.

* hier geht's zum Soundtrack von Ratatouille

 

Sommerfrische - Verjus

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vergessen - Limonana

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